Forschung: Warum Fernsehen Kindern schadet

Kinder müssen erleben und mit ihrer Umwelt interagieren, nicht passiv zusehen, wie es andere tun.
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Zahlreiche Kinderprogramme versprechen frühkindliche Förderung durch ihr Fernsehprogramm. Leider ist dies ein Irrweg, auf den nur allzu viele, vor allem junge und berufstätige Eltern zu leicht hereinfallen. Denn Fakt ist: Wer sein Kleinkind vor dem Fernseher vergisst muss die Verantwortung für Entwicklungsprobleme des Kindes tragen. Zu viele Stunden vor dem Fernseher erhöhen das Risiko einer holprigen Sprachentwicklung, zudem verdirbt es die Fantasie. Direkte Interaktion mit echten Menschen, speziell auch mit anderen Kindern, und das freie Spielen mit anderen und allein fördert die Entwicklung des Kindes um ein vielfaches besser als es jedes noch so pädagogisch wertvolle Lernprogramm im Fernsehen je könnte.

Fernseher als Babysitter-„Ersatz“?
Die wenigsten Eltern können sich rund um die Uhr mit ihrem Kind beschäftigen. Hausarbeiten, Arbeit zu Hause und Telefonate halten die Erziehenden auf Trab und sorgen dafür, dass das Kind etwas Zeit alleine verbringen muss. Da nicht jedes Kind so selbstständig ist, dass es alleine vor sich hin spielen kann, setzen viele Eltern ihre Kinder einfach für diese Zeit vor das Fernsehgerät. Doch die Zeit vergeht meist schneller als man denkt, und wer überwacht das Programm in der Zwischenzeit?
Dieses Vorgehen ist ein äußerst bequemes und gefährliches im Bezug auf die Kindesentwicklung, wie schon im vorangehenden Absatz erörtert. Dass der Fernsehapparat kein Ersatz für die Erziehung und Beschäftigung mit dem Kind darstellt, sollte jedem klar sein. Dasselbe gilt übrigens auch für Fernseher-ähnliche Geräte wie Tablet PCs und dergleichen. Auch tolle Lern-Apps ersetzen keinen zwischenmenschlichen Kontakt und schon gar nicht die im Kleinkindalter so wichtige Erziehung und Vorbildfunktion der Eltern.

„Mein Kind ist älter und darf fernsehen.“
Auch dieser Schluss ist ein trügender, denn gerade Kinder in der Pubertät machen die größten Veränderungen ihres bisherigen Lebens durch. Alles verändert sich am Körper, damit auch das Gehirn: Im jugendlichen Alter von 14-18 verändern sich die Nervenzellen, diese Entwicklungszeit ist essentiell für einen gesunden Erwachsenen. Je länger Jugendliche mit dem Fernsehapparat interagieren, desto weniger Zeit verbringen sie mit der sinnvollen Lebensgestaltung und der so wichtigen Weiterentwicklung des Gehirns durch Lernimpulse und Herausforderungen des alltäglichen Lebens. Kurz gesagt: Wer täglich die meiste Zeit vor dem Fernseher verbringt, verblödet. Dies spiegelt sich dann in immer schlechter werdenden Zensuren und zunehmendem Desinteresse an den Pflichten und Aufgaben des Alltags wider.

Altersbeschränkungen
Heutzutage bekommt man schnell den Eindruck, dass sich nur wenige Eltern tatsächlich an vorgegebene Altersbeschränkungen durch die FSK beratschlagen lassen. Denn viele Kinder sehen frühzeitig Filme, die für ihr Alter eigentlich weder vorgesehen noch geeignet sind. Selbes gilt für Video- und Computerspiele. Dabei wäre die häusliche Einschränkung dank technischer Hilfsmittel relativ einfach zu bewältigen: Am PC lassen sich moderne Programme wie Firewalls mit Kindersicherung installieren und konfigurieren, am Fernseher helfen moderne Receiver mit Kindersicherung, die automatisch nicht jugendfreies Programm sperren (vgl. Sky – hier wird generell nicht jugendfreies Fernsehen mit einem Code gesperrt, diese Funktion ist nicht deaktivierbar – vorbildlich!).

Entgegenwirken
Um psychischen Krankheiten, Problemen mit der Lebensbewältigung und einer fehlerhaften Persönlichkeitsentwicklung entgegen zu wirken, ist es unabdingbar den Fernsehkonsum von Kindern und Jugendlichen zu kontrollieren und zu rationieren, und ihn im Einklang (Appell an die Vernunft) mit dem Kind auf ein Minimum zu reduzieren und durch sinnvollere, ebenfalls unterhaltsame Tätigkeiten zu substituieren.
Wer diese Aufgabe bewältigt, tut seinem Kind den größten Gefallen und erfüllt gleichsam eine wichtige Erziehungspflicht. Wer diese Aufgabe hingegen vernachlässigt, lastet seinem Nachwuchs einen irreparablen, psychischen Schaden an, an dem der heranwachsende Mensch ein Leben lang arbeiten muss und in nicht seltenen Fällen dauerhaft – wenn auch nur unterbewusst – leiden wird.

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